Hinter Bad Ischl schaffen wir es bis zum Attersee, und naiv, wie wir sind, suchen wir am frühen Abend in dieser Millionärsoase nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Ich wäre bereit, mit einem Zelt vorlieb zu nehmen, aber davon will Peter nach seinen unseligen Erfahrungen nichts wissen, und kurz darauf ist auch schon fündig geworden: zwei Einzelzimmer für je 42 Euro.
Am nächsten Tag sind wir schon um 9 Uhr auf der Strecke und umfahren den nebelverhangenen See. Auf meinen Wunsch hin fahren wir dann über einen hochgelegenen Sattel über die unmöglichsten Landstraßen, die schließlich an einem Schild mit der Aufschrift „Nur für Fahrzeuge der Forstverwaltung“ enden. Nach der Talabfahrt auf einem sinterartigen Untergrund war’s dann auch um den Halter der Karbidlampe geschehen, sodass auch diese im Rucksack endete.
Am See erwartet uns eine angenehme Überraschung. Ausgerechnet neben dem Restaurant, wo ich versuche, einen acht Zentimeter dicken Leberknödel in mich hineinzustopfen, steht ein Motorradmuseum. Die Wirtin lässt den Besitzer unüberhörbar wissen, dass hier ein paar verdächtig aussehende Motorradfahrer parken. Noch bevor er uns sieht, hat er angeblich schon am Klang erkannt, welche Maschine hier vor sich hin puffte. In dem schönsten Museum, das ich je gesehen habe, verbringen wir, ohne aus dem Staunen rauszukommen, ein sehr, sehr angenehmes Stündchen. Am nördlichen Ufer des Sees liegt Gmunden, das mit seinen unzähligen Yachten fast eine Atmosphäre wie Saint Tropez ausstrahlt.
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Hinter Schamstein lauern dann keine halsbrecherischen Steigungen mehr auf uns, und so legen wir wieder den „Schnelllauf“ ein. In einem lockeren Tempo über Schamstein, Sieming, Sankt Florian, Mauthausen und Freistadt zurück nach Böhmen. Wir übernachten im Fort Hazard, einer Zeltlageranlage inmitten des Böhmerwaldes. Freiheitsliebende Wandervögel verbringen hier Wochenenden ohne elektrischen Strom, in Schlafsälen zusammen mit bis zu zwanzig Gleichgesinnten.
Am Morgen waschen wir uns mit Wasser aus Bechern, die mit Morgentautropfen gefüllt sind. Gegen Mittag halten wir dann vor einer Autowerkstatt in Budweis. Mit einem kräftigen Handschlag geben wir uns wortlos zu verstehen, gute Arbeit abgeliefert zu haben. Für mich geht’s dann weiter nach Hluboká. Man verzeihe mir die Bemerkung, dass die Schönheit der Alpen, wie ich meine, etwas rau daherkommt, während ich jedes Mal ganz hin und weg bin, wenn ich, ein geborener Tscheche, die malerischen Hügel des Moldaustromgebietes sehe.
Ich will hoffen, dass meiner kleine alte Javurek in den sieben Tagen auf unserer 1156 km langen Trasse erst mal wieder genug frische Luft geschnappt hat. Dann also bis zum nächsten Mal! Auf Wiedersehen!
Libor Marèík